Croissant und Cappuccino auf Stefans Nacken. Und das ist erst der Anfang.
Eine wirklich antirassistische Praxis in der Sozialen Arbeit oder in akademischen Kontexten erfordert, dass wir uns mit den Mechanismen von Weißsein, rassistischer Sozialisation und Dominanzstrukturen auseinandersetzen. Nur so können wir nachhaltig soziale Gerechtigkeit fördern.
Heute hab ich mich mit meiner Freundin und Kollegin Sandra getroffen. Eigentlich wollten wir nur locker Kaffee trinken und ein bisschen gossipen. Aber wie so oft haben wir am Ende über die Arbeit gesprochen.
Genauer gesagt haben wir einen Fall aufgearbeitet, der uns beide in letzter Zeit begleitet hat.
Wir waren in einem Prozess mit einer Behörde, die uns angefragt hatte, ein Angebot zu gestalten. Schon im Kennenlerngespräch hat Stefan rassistische Kommentare gemacht, sodass wir eingreifen mussten. Wir sind
professionell geblieben und haben entschieden: Wir können es uns gerade nicht leisten, den Auftrag abzulehnen. Also durch da. Und Stefan war während des gesamten Projekts präsent. Kennenlerngespräch, Workshop,
Nachbereitung. Rassismus als Dauerbeschallung, die natürlich etwas mit uns macht und Aufarbeitung braucht.
Genau darüber wird in betroffenheitsbasierter Bildungsarbeit, besonders im Selbstständigenbereich, viel zu selten gesprochen. Denn diese Aufarbeitung, die Selbstfürsorge, das Emotional Labor, das nach solchen
Prozessen entsteht, bleibt meistens unbezahlt. Als Selbstständige gibt es keinen Arbeitgeber*innen, der das auffängt oder auffangen könnte. Aber das entbindet Auftraggeber*innen unserer Meinung nach nicht von
ihrer Verantwortung. Sie profitieren von unserer Expertise, unserer Betroffenheit, unserer Fähigkeit, in genau diesen Momenten professionell zu bleiben.
Deshalb haben Sandra und ich heute entschieden: Die emotionale Aufarbeitung betroffenheitsbasierter Bildungsarbeit steht ab jetzt auf unserer Rechnung. Klar, bewusst, und ohne Entschuldigung.
Also Stefan: Der Cappuccino war gut. Das Croissant auch. Und die Aufarbeitungsstunde erst recht. Ab jetzt auf deinen Nacken.
